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Korkenzieher, mehr als ein Werkzeug
Die Frage, welcher von beiden zuerst da war, Korkenzieher oder Korken, erscheint weder hintergründig noch knifflig, denn die Antwort kann nur Korken lauten. Als damit begonnen wurde, Weinflaschen zu verkorken (was in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts geschah), waren die Korken noch pilzförmig, weshalb sie, ähnlich wie heute bei Champagnerflaschen, per Hand durch Ziehen am Kopf aus der Flasche entfernt wurden. Diese Ära war jedoch nur von kurzer Dauer. Der Grund dafür war ein merkantiler: Wegen ihres großen Durchmessers kosteten diese Korken schlicht und einfach zu viel. Außerdem wurden sie nicht aus einem Holzklotz, sondern aus der Rinde der Korkeiche gedrechselt, weshalb ihr Preis, dem einer mundgeblasenen Flasche gleichkam.
Im 18. Jahrhundert ging man dazu über, Flaschen in speziellen Formen herzustellen. Sie wurden zylindrischer, so dass man sie horizontal lagern konnte, um Platz zu sparen und um dem Wein die Möglichkeit zu geben, Kontakt zum Korken aufzunehmen, ihn zu befeuchten, damit er nicht austrocknet. Außerdem wurden Flaschen und damit auch die Flaschenhälse in ähnlichen Größen hergestellt.
Alsbald kamen billigere Korken in Standardmaßen auf (ähnlich denen, die wir heute kennen). Da diese Korken mit ihrer gesamten Länge im Flaschenhals versenkt wurden, war es unmöglich, sie per Hand zu entfernen. Das konnte nur mit einem speziellen Werkzeug gelingen. Dem Korkenzieher.
Erfunden wurde er nach dem Vorbild und dem Ebenbild bereits vorhandener Instrumente. Eines davon war der Handbohrer, der zum Bohren der Löcher in den Weinfässern verwendet wurde. Ein anderes eine lange Schraube, mit der sich die stecken gebliebenen Kugeln oder Ladepfropfen in Musketen- oder Pistolenläufen entfernen ließen. Den Namen des Erfinders des ersten Korkenziehers hat die Geschichte allerdings nicht überliefert. Er wurde wohl, so die einhellige Meinung, im Land der wahren Weinliebhaber erfunden, in England: Hier wurde die Weinabfüllung in Flaschen etwas früher als in Frankreich gebräuchlich.
Die erste Erwähnung eines Korkenziehers stammt aus dem Jahre 1681: In der Quelle wird diese Vorrichtung als »Stahlschraube zum Herausziehen von Korken aus Flaschen« beschrieben.
Dem Korkenzieher stand dennoch ein langer, wechselvoller Weg der Perfektionierung und Modifizierung bevor: Wie das Rad wurde der Korkenzieher immer wieder neu erfunden. Bei der Fülle an Veränderungen, denen dieses Werkzeug unterlag, sei lediglich festgestellt: Das erste Patent auf einen Korkenzieher wurde 1795 in England an einen gewissen Samuel Henshall vergeben. Außerdem: zwischen 1795 und 1908 erkannten die maßgebenden Behörden insgesamt 350 Patente von Entwicklern neuer Korkenzieher an. In Frankreich wurden die ersten Tire-bouchons 1828 patentiert, in den Vereinigten Staaten 1860, in Deutschland 1877 und in Kanada 1882. Doch auch in der Folgezeit ließ die Idee die unermüdlichen Raderfinder nicht zur Ruhe kommen. Woran das lag, ist nicht mehr auszumachen. Eventuell ist der Grund darin zu suchen, dass eben alles und jeder einen Korkenzieher kennt. Schließlich werden Korkenzieher pro Jahr Zwölf Milliarden mal eingesetzt. Genauso viele Flaschen werden in derselben Zeit verkorkt. Doch der ideale Korkenzieher, mit dem sich auch wirklich jede Flasche einwandfrei öffnen lässt, wartet noch immer auf seine Entwicklung. So hat wahrscheinlich jeder, dem ein Korken beim Entkorken einer Flasche guten Weins in Stücke gebrochen ist, schon in kräftigen Worten sein Bedauern darüber geäußert.
Korkenzieher haben immer etwas Anziehendes. Vielleicht ist auch dieser Umstand der Grund dafür, dass stets neue Modelle auftauchen. Dieser zuweilen hübsche Nippes ist amüsant und wärmt die Seele. Viele kann man zu Recht als Kunstwerke bezeichnen. Nicht umsonst werden sie gesammelt, und einige Fanatiker sind sogar bereit, Hunderte, gar Tausende von Dollar für ein antiquarisches Exemplar auf den Tisch zu legen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte bei Christie’s der Auktionshammer erst dann seine Arbeit getan, als ein Sammler einen Korkenzieher von 1842 für 31 280 US-Dollar ersteigerte.
Bei allem Übermaß an Modellen gibt es aber nur wenige effektive und populäre Mechanismen. Um die soll es jetzt gehen. Zunächst jedoch ein paar Worte zu den Hauptbestandteilen vieler (wenn auch nicht aller) Korkenzieherspiralen. Es gibt drei Grundtypen, von denen ein jeder seine Vorzüge hat…
Taschenkorkenzieher mit direktem Prinzip
Da ist einmal der so genannte Ferkelschwanz zu nennen. Wer schon einmal einen Ferkelschwanz gesehen hat, wird die Bildhaftigkeit dieser Bezeichnung nicht anzweifeln. Der Draht, aus dem diese Spindel gedreht wird, kann rund, quadratisch oder rechteckig sein, mit vertikaler Rinne oder ohne.
Kommen wir zur vollen Spirale. Sie wird im Gegensatz zum vorherigen Typ mit innen hohler Spirale so genannt, weil sie eine vollwertige Metallachse besitzt.
Bleibt die archimedische Schraube. Sie sieht etwas archaisch aus und besteht aus einem spitzen Kern mit angelötetem spiralförmigen Bart, der meistens dreieckig ist und einen scharfen Rand hat.
Die Spiralen der aufgelisteten Typen unterscheiden sich in Länge und Durchmesser sowie in Steigung und Zentrierung der Spitze (die sich auf der Achse oder seitlich davon befinden kann). Da gibt es zum Beispiel die so genannte schnelle Spirale, die dank ihres kleinen Durchmessers und ihrer Schraubneigung schnell in den Korken eindringt. Einen Korkenzieher mit solch einer Spirale muss man nicht drehen, um in den Korken zu kommen, sondern lediglich mit etwas Druck anwenden. Außerdem gibt es rechtsdrehende und linksdrehende Spiralen, wobei letztere vor allem von – genau – Linkshändern bevorzugt wird.
Im Allgemeinen unterscheiden sich Korkenzieher sowohl im Funktionsprinzip als auch in ihrem Gebrauch…
Korkenzieher mit direktem Prinzip
leben von ihrem äußerst einfachen Mechanismus. Bei ihnen ist die Spirale senkrecht in der Mitte an einem Griff befestigt, so dass der Korkenzieher die Form eines T hat. Allem Anschein nach ist diese Konstruktion die älteste, weist doch hierauf auch die erwähnte Quelle von 1681 hin. Ein solcher Korkenzieher ist kompakt, haltbar, preiswert, dazu einfach in der Anwendung und bei korrektem Gebrauch nahezu unvergänglich, besonders wenn er mit einer vollen Spirale ausgestattet ist und nicht mit einem Ferkelschwanz. Damit ist die Liste seiner Vorzüge jedoch auch schon erschöpft.
Im 18. Jahrhundert öffnete man mit derartigen Korkenziehern nicht nur Weinflaschen, sondern auch Parfümflakons, Medizin- und Kosmetikfläschchen. Da er stets zur Hand sein musste, wurden schnell auch kleinere Ausführungen und Taschenmodelle ins Leben gerufen. Das waren kleine Korkenzieher, manchmal zusammenklappbar, zuweilen in einem Etui steckend, das die Spirale bei Nichtgebrauch schützte. Die Handgriffe waren häufig als Figuren gestaltet, die oft gar nichts mit Wein zu tun hatten, sondern einfach nur verspielt waren. Korkenzieher mit schwerem Handgriff dagegen konnten außerdem den Siegellack vom Flaschenhals entfernen: Die eine Seite des Handgriffs hatte die Form eines Hämmerchens; an der anderen war ein kurzer Pinsel mit Eisenborsten zum Wegfegen des Siegellackstaubs und zur Entfernung von eventuellem Schimmel am oberen Korkenteil angebracht. Es wurde jedoch nicht nur an Weinliebhaber gedacht: Für Pfeifenraucher beispielsweise gab es Korkenzieher mit Reiniger und Stopfer, beide eingebaut, die manchmal sogar mit einem Feuerzeug versehen waren. Solche für Jäger waren mit einer Trillerpfeife ausgestattet. Auch andere, heute kurios anmutende Modelle kamen auf den Markt. Als im 19. Jahrhundert Korkenzieher zu einem Alltagsgegenstand avancierten, kam als wichtiges Attribut häufig ein Taschenmesser hinzu, während Korkenzieher, die sich – eingebaut – in abschraubbaren Griffen von Spazierstöcken und Regenschirmen wieder-fanden, eher die Ausnahme bildeten.
Die modernen Modelle sind meistens ausgesprochen funktional und bei weitem nicht so raffiniert. Oft sind die Griffe aus Kunststoff, mitunter auch mit billigen Metalllegierungen versehen. Bei solchen Modellen gibt die Spirale bei ihrem ersten bestimmungsgemäßen Gebrauch nicht selten ihren Geist auf. Auch in der Souvenir-Ausführung, mit einem Handgriff in Form einer Weinrebe, rufen diese Modelle nicht gerade Begeisterungsstürme hervor. Es gibt natürlich auch durchaus angenehme Ausnahmen. Dennoch treten Mängel sowohl bei den alten als auch bei den modernen Ausführungen zutage. Hier ist vor allem das Fehlen eines speziellen Mechanismus zum Entfernen der Kapsel am Flaschenrand zu nennen. Natürlich könnte man mit diesem Umstand leben, zumal die wenigsten Korkenzieher über solch einen Mechanismus verfügen… aber muss man es?
Der größte Nachteil des T-förmigen Korkenziehers: Er kann nur von sehr sportiven Menschen erfolgreich genutzt werden. Um einen Korken herauszuziehen, muss man eine Kraft von 390 bis 490 Newton aufwenden, bisweilen sogar noch mehr. Außerdem gibt der Korken beim Herausziehen mit diesem Werkzeug einen recht lauten Ton von sich, was wiederum gegen die Etikette verstößt, es sei denn, man speist und trinkt in absolut ungezwungener Atmosphäre. Schlussendlich ist es schwierig, die Flasche beim Entkorken unbeweglich zu halten, so dass ein eventueller Bodensatz aufgewirbelt wird und den Wein trüben kann. Letzteres könnte man zwar vernachlässigen, da ein solcher Bodensatz meist nur in abgelagerten hochwertigen Weinen zu finden ist, doch weil diese Weine mit langen Korken verschlossen sind, ist besagtes Modell in besagtem Fall per se eher ungeeignet, denn es sollte nur für kurze und mittlere Korken bis ungefähr 45 Millimeter Länge eingesetzt werden.
Einigen dieser Unbequemlichkeiten kann man aus dem Weg gehen, indem man den Korkenzieher mit einem festen Hebelmechanismus mit Zahnstange ausstattet und an der Wand befestigt. In zahlreichen französischen Bars und Weinkellern findet man solche Korkenzieher, das heißt dort, wo viele und nicht allzu teure Weinflaschen geöffnet werden müssen. Das geht so: Die Flasche wird von unten gegen den Korkenzieher gedrückt; dann wird der Hebel nach vorne bewegt, wobei sich die Spindel in den Korken bohrt. Im letzten Schritt wird der Hebel zurückgelegt und der Korken löst sich aus der Flasche.
Größe und Gewicht eines derartigen Mechanismus machen ihn unweigerlich zu einem Interieurbestandteil. Er macht sich somit nicht schlecht in einem Landhaus, wird sich jedoch in eine Stadtwohnung nicht sonderlich organisch einfügen. Einstmals gab es eine nicht ganz so bequeme, dafür aber kompaktere Handvariante ohne Zahnstange (die aber heutzutage nicht mehr hergestellt wird)
Korkenzieher mit Rotationsprinzip
zählen mit zu den ersten, die erfunden wurden (so auch das von Samuel Henshall 1795 patentierte Modell, das genau zu diesem Typ gehört). Das soll aber nichts über eine mögliche Unvollkommenheit aussagen, denn jene Modelle sind bis heute populär. Das Grundprinzip dieser Korkenzieher besteht in der Umwandlung der Rotationsbewegung des Griffs in eine Bewegung der Spirale und somit des Korkens.
Er ist sehr einfach zu handhaben, sogar mit verbundenen Augen. Man muss die Spitze der Spirale achsrecht in den Korken stecken und den Griff in Uhrzeigerrichtung drehen. Nachdem das Korkenziehergehäuse Kontakt mit dem Flaschenhals aufgenommen hat, dringt die Spirale immer tiefer in den Korken, wobei sich der Korken gleichzeitig nach oben bewegt, bis er sich vollständig gelöst hat. Um diesen Prozess zusätzlich zu erleichtern, sind einige Korkenzieher dieser Art mit einer Feder ausgestattet. Manche haben nicht nur eine Spindel, sondern zwei: eine nach rechts und eine nach links drehende. Das Modell mit Doppelspindelprinzip wurde 1842 von Edwin Cotterill patentiert.
Die weiteren Perfektionierungen dieses Systems führten leider zu seiner entscheidenden Verkomplizierung. Es entstanden Korkenzieher mit zwei Griffen: einer zum Eindrehen der Spindel, der andere zum Herausziehen des Korkens. Von wohl größtem Interesse ist das von Edward Thomason 1802 erfundene so genannte Teleskopmodell, das in England entstand, als dort mehr und mehr die Hausherren es sich nicht nehmen ließen, den Wein während des Essens höchst selbst zu entkorken. Mit dem Teleskop-Korkenzieher (dem englischen Korkenzieher), dessen Merkmal zwei gegenläufige Spindeln sind, kann man nicht nur den Korken leicht aus der Flasche herausziehen, sondern ihn auch vom Korkenzieher abziehen, ohne ihn mit den Händen zu berühren. Man muss den Griff nur lange genug gegen den Uhrzeigersinn drehen. In der Folge wurde in Deutschland ein noch vollkommeneres Modell patentiert: der Perpetual, mit dem man den Korken aus der Flasche und von der Spindel mit einer Drehung in eine Richtung ziehen kann.
Eine der modernsten und wohl auch gelungensten Variationen dieses Themas ist der in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts von dem Amerikaner Herbert Allan entwickelte Mechanismus. In der ersten Zeit wurde er vor allem unter dem Namen Screwpull produziert (englisch für drehen und ziehen). Der Name hat sich manifestiert und wird heute häufig als Synonym für alle Anfertigungen jener Art verwendet. Bei diesem Modell ist eine ungewöhnlich lange und dünne Spindel vom Typ Ferkelschwanz am Griff befestigt, die nicht mit dem Gehäuse verbunden ist, sondern lediglich durch die Öffnung seines oberen Teils führt. Diese Spezialabdeckung der Spindel senkt den Aufwand zum Hereindrehen in den Korken um das Vierfache, weshalb man das Gehäuse auch aus weniger beständigem Kunststoff herstellen kann. Es wird erzählt, dass Allans Frau den Anstoß für die Erfindung gab, da sie sich beim Öffnen von Weinflaschen stets sehr quälte. Falls die Geschichte stimmt, hat Allan zweifellos seiner Frau das Leben erleichtert. Nicht nur ihr. Sein Korkenzieher ist so einfach und gleichzeitig so effektiv in der Anwendung, dass er zuweilen Frauenkorkenzieher genannt wird, weil selbst eine Dame, die über wenig Kraft verfügt, mit diesem Gerät mühelos ihr Vorhaben umsetzen kann.
Der Screwpull ist in unterschiedlichen Ausgaben erhältlich, so auch in Verbindung mit einem Messer zum Kapselabschneiden, mit einer Vorrichtung für Kronenkorken (sie werden gewöhnlich bei Bierflaschen verwendet) und als Taschenklappvariante.
Federzungenkorkenzieher
sind unersetzlich bei einem alten, bröseligen, weingetränkten Korken, den man für eine wiederholte Benutzung erhalten möchte, auch wenn dies heutzutage selten vorkommt. Man kann ihn zudem zum Herausziehen von am Glas kleben– gebliebenen Korken empfehlen, wie es bei Vintage-Portwein-Flaschen zuweilen auftritt. Ein derartiger Korkenzieher besteht aus zwei Stahlfederplatten, die parallel zueinander im Abstand eines Korkens am Griff befestigt sind. Zunächst setzt man die längere Platte am Korken an, dann die kürzere und bewegt sie mit einer fortschreitenden Schwingungsbewegung bis zum Flaschenanschlag. Der Korken ist dabei zwischen den beiden Platten festgeklemmt. Danach dreht man den Griff und zieht gleichzeitig den Korken aus der Flasche. Dieser Vorgang erfordert eine gewisse Fertigkeit, und jedem, der auf dieses Gerät zurückgreift, sollte das bewusst sein. Andernfalls besteht eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit, dass beim ersten Gebrauch des Federzungenkorkenziehers der Wein nach dem Entkorken merklich überschwappt. Ob es dem Urheber dieses Korkens wohl auch so erging?
Man geht davon aus, dass dieser Korkenzieher 1879 in San Francisco von einem gewissen Luciano Mumford entwickelt wurde, obwohl sich erst vor kurzem herausstellte, dass er bereits 15 Jahre zuvor in Deutschland patentiert worden war – und das sogar in einer perfekteren Variante. Nichtsdestotrotz wird er weder amerikanisch noch deutsch benannt. In Russland beispielsweise taufte man ihn Zigeunerkorkenzieher. Der Name entstand, wie so viele solcher Art, aus einem Vorurteil heraus. Er rührt wahrscheinlich daher, dass man den Korken herausziehen kann, ohne ihn zu beschädigen, danach den Wein austauschen und wieder an seinen alten Platz zurückstellen kann. Und warum dieser Name? Weil die Russen Zigeuner nicht gerade für Aushängeschilder an Ehrlichkeit halten. In Frankreich, wo die beschriebene Konstruktion des Öfteren in Restaurants verwendet wird, nennt man ihn aus demselben Grund nicht ganz ohne Sarkasmus Tire-bouchon de maître d’hôtel.
Stab- oder Hakenkorkenzieher
Obwohl sein Funktionsprinzip dem des Federzungen- korkenziehers ähnelt, ist er nicht so effektiv und zuverlässig. Sein Arbeitsteil hat die Form eines sich stetig verjüngenden runden, mitunter auch quadratischen Stabs, der am Ende rechtwinklig gebogen ist. Man muss den Stab vorsichtig zwischen Flaschenhals und Korken einstecken und dann im rechten Winkel heraushebeln. Der Haken des Korkenziehers befindet sich dabei am unteren Ende des Korkens, weshalb das Herausziehen nicht allzu viel Kraftaufwand erfordert.
Korkenzieher dieser Bauart wurden mit einigen Patenten gewürdigt, obwohl ihre praktischen Eigenschaften durchaus zu wünschen übrig lassen. Sie sind eindeutig ungeeignet für trockene Korken, auch für solche mit mangelnder Elastizität, und außerdem üben sie einseitigen Druck auf den Flaschenhals aus, weswegen der wiederum – bzw. die gesamte Flasche – zu Bruch gehen kann. Schließlich läuft man bei der Benutzung dieses Korkenziehers Gefahr, den Korken nach innen zu drücken. All das schränkt sein Anwendungsgebiet auf das Öffnen von Flaschen mit kurzen Korken und billigem jungen Wein ein. Besser gesagt, schränkte ein, da diese Korkenzieher heutzutage nahezu in Vergessenheit geraten sind.
Überdruckkorkenzieher
wurden Anfang der sechziger Jahre patentiert. Ein Überdruckkorkenzieher ist mit einem vollen Dorn, der durch den Korken gebohrt wird, und mit einer Miniaturpumpe ausgestattet, durch die Luft in die Flasche gepumpt wird. Zuweilen wird die Pumpe durch einen Ballon mit gepresstem Kohlendioxid ersetzt. Der Sinn des Ganzen besteht darin, durch den in der Flasche entstehenden Überdruck den Korken herauszudrücken. Viele Experten sind sich jedoch einig, wenn sie meinen, dieser Überdruck erzeuge Stress beim Wein, der zum Teil sein Aroma beeinträchtige. Außerdem sind Fälle bekannt, bei denen die vorwiegend alten Flaschen beim Gaspumpen explodierten. Und das sagt noch nichts darüber, dass der extrem scharfe Dorn an sich bereits eine Gefahr darstellt. Daher eignet sich der Überdruckkorkenzieher eher zum Herausziehen von kurzen, elastischen, nicht allzu tief sitzenden, hauptsächlich feuchten und weichen Korken.
Dabei gibt es so viele bequeme und zuverlässige mechanische Korkenzieher…
Sommelier- oder Kellnermesser

Modernes Sommeliermesser
von Château Laguiole
wurden nicht, wie viele annehmen, in Frankreich, sondern in Deutschland erfunden. 1882 ließ Carl Weinke aus Rostock diesen heutzutage nicht sehr populären Korkenzieher patentieren. Das Sommelier- messer, manchmal auch nur Sommelier genannt, gehört zur Gruppe der Taschenhebelkorkenzieher. Äußerlich erinnert es an ein Taschenmesser, hat eine Klinge zum Kapselabschneiden und einen auf dem Flaschenhals zu fixierenden Anschlag. Der Griff dient als Hebel zum Herausziehen des Korkens.
Wie der Name bereits sagt, werden Sommelier- messer häufig von speziell ausgebildeten Wein- spezialisten in Restaurants verwendet, was auf einige Vorzüge schließen lässt. Das ist in der Tat so. Ein gutes Sommeliermesser ist universal, kann man doch mit seiner Hilfe die Kapsel abschneiden und fast jede Flasche entkorken, selbst solche, die zum Dekantieren liegend in speziellen Körben aufbewahrt werden. Die Hauptsache jedoch ist, dass dieses Messer als Symbol für Professionalität steht, ähnlich der Degustationsschale, der Tastevin. Sieht man, wie leicht und elegant ein Sommelier damit umgeht, scheint es, als ob selbst ein Kind es handhaben könnte. Dabei braucht es eine gewisse Fertigkeit, die man erst durch das Öffnen mehrerer Flaschen erwerben kann. Nichts für Dilettanten.
Weinliebhabern wird ausdrücklich dieses Modell empfohlen, natürlich nur gesetzt den Fall, das Messer erfüllt alle notwendigen Anforderungen. Die Spindel, meistens in Form eines Ferkelschwanzes, muss fünf volle Windungen umschreiben, und zwar bei einer Mindestlänge von 57 Millimetern.
Sie sollte aus nicht allzu dickem, beständigem, nicht formbarem gehärteten Stahl bestehen.
Die Klinge sollte vorzugsweise mäßig lang, leicht gebogen und teilweise eingekerbt sein, um ständiges Nachschleifen zu vermeiden. Bei einigen Modellen wird zum Kapse abschneiden ein Messer mit Drehklinge verwendet. Das ist bequem, hat jedoch einen Nachteil: Die Prozedur des Weinservierens ist nicht ganz so elegant.
Der Anschlag sollte in einer Linie mit dem Griff liegen und der Teil von ihm, der in Berührung mit dem Flaschenhals kommt, so geformt sein, dass er das Glas nicht zerbricht. Wichtig ist die Länge des Anschlags, denn der Korken muss bis zum Ende durchdrungen werden. In letzter Zeit sind auch Sommeliermesser mit zwei Anschlägen oder einem zweistufigen Anschlag aufgekommen. Zu guter Letzt sollte der Griff nicht allzu breit, ausreichend, aber nicht übermäßig lang und leicht gebogen sein. Als die besten Sommeliermesser gelten die (recht teuren) von Château Laguiole.
Portweinzangen
Diese Konstruktion kann man wohl kaum als Korkenzieher bezeichnen, obwohl sie schon sehr lange einem eng verwandten Zweck dient. Die Sache ist die, dass der Korken zuweilen felsenfest am Glas klebt, so dass es unmöglich ist, ihn mit einem der bereits aufgeführten Korkenzieher herauszuziehen. Dies kommt besonders bei Flaschen mit Vintage Port vor, der vor dem Abfüllen nicht gefiltert, dann aber mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte gelagert wird. Üblicherweise wird in diesem Fall die besondere Tenaz (Zange) verwendet. Ihre Schenkel können halbkreisförmige Einschnitte haben. Der Flaschenhals wird mit Hilfe von Eis gekühlt, wobei die Flasche selbst nicht bewegt werden darf, da ansonsten der unweigerlich vorhandene Bodensatz den Wein trübt (was wiederum den Genuss verdirbt). Danach umfasst man mit den vorher über offenem Feuer glutrot erhitzten Zangenschenkeln den Flaschenhals in Höhe des Korkenbodens. Das Glas zerspringt, der Hals mitsamt Korken fällt ab, und der vorsorglich mit einer Serviette umwickelte Wein wird anschließend in eine Karaffe umgefüllt.
Portweinzangen sind ebenso exotisch wie Champagnerzangen – und dementsprechend schwierig zu finden.
Ein weiteres Werkzeug darf hier nicht unerwähnt bleiben: Bevor man zum Korken kommt, muss man zunächst die Kapsel entfernen. Wie bereits erwähnt, ist bei vielen Korkenziehern kein Messer dafür vorgesehen. In diesem Fall kann man ein gut bewährtes Messer mit rund gebogener Schneide benutzen, einen so genannten Kapselabschneider. Bisweilen gehört es zum Bestandteil eines Lever Model, wird aber auch einzeln verkauft. Mit einigen kann man die Kapsel am obersten Ende abschneiden, andere wiederum hinterlassen in der Mitte des Flaschenhalses einen ringförmigen Abdruck. Die Benutzung erfordert keinerlei Spezialkenntnisse: Das Messer wird oben um den Flaschenhals gelegt und einmal im Halbkreis gedreht. Anschließend kann man die abgeschnittene Kapsel leicht entfernen.
Zum Schluss einige Ratschläge. Da es keine idealen Korkenzieher gibt, schaffen Sie sich mehrere, aber richtige Mechanismen verschiedener Modelle an. So wird sich keine Flasche finden, die Ihnen noch standhält.
• Eine typische Weinsituation, die sich auch auf Korkenzieher anwenden lässt: Gefällt Ihnen das Aussehen eines Weines nicht, werden Sie höchstwahrscheinlich auch seinen Geschmack nicht mögen. Missfällt Ihnen die Konstruktion, die Verarbeitung und das Aussehen eines Korkenziehers, dann kaufen Sie ihn eben nicht. Alles, was mit Wein zu tun hat, sollte Vergnügen bereiten. So auch der Gebrauch des Korkenziehers, mit dem Sie den Wein entkorken.
• Beim Erwerb eines Korkenziehers mit Spirale (und das sind die meisten) sollten Sie sich diesen Teil des Korkenziehers besonders aufmerksam anschauen. Die Spindel darf den Korken nicht zerbrechen. Daher dürfen weder die Spirale noch der Draht, aus dem sie gefertigt wurde (falls wir von einem Ferkelschwanz reden), zu dick sein, am besten zwischen 9 und 10, das heißt zwischen 2 und 2,5 Millimeter. Weiterhin muss sie sich gut am Korken festhaken, kein Loch (vergleichbar einem Handbohrer) in ihn bohren, und deshalb ist es von Vorteil, wenn Steigung und Durchmesser der Spirale (beim Ferkelschwanz wiederum) größer als 9 sind (3,5 Millimeter). Die Spirale sollte etwas länger sein als der Korken, den Sie mit ihrer Hilfe herausziehen wollen. Übrigens beträgt die maximale Länge eines Standardkorkens 54 Millimeter, wobei für einige Winzer Spezialkorken mit 60 Millimetern Länge angefertigt werden.
• Eines ist sehr wichtig: Die Spindel darf nicht verbogen sein. Diesen Mangel erkennen Sie nicht immer sofort im Laden. Dafür fällt er beim Öffnen der ersten Flasche unangenehm auf und verdirbt das Vergnügen. Ihn unter häuslichen Umständen auszugleichen, ist nahezu unmöglich, es sei denn, Sie haben goldene Hände.
• Der Umgang mit vielen Korkenzieher- modellen erfordert Geschicklichkeit. Daher sollten Sie einen für Sie neuen Korkenzieher zunächst bei einem preiswerten Wein ausprobieren.
Quelle: Cigar Clan, Ausgabe 1/2009
Text: Alexander Kupzow,
Illustrationen: Wladimir Morenko
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